Gesellschaft für Landeskunde und Denkmalpflege

Oberösterreich

ARCHIV: Sobibór – Erinnerung verjährt nicht

Sonderausstellung im Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim

Sobibór war eines von drei Vernichtungslagern der “Aktion Reinhardt”. Über 1,5 Millionen Menschen, vor allem Juden aus Polen, den Niederlanden, Deutschland und anderen Staaten, wurden in den Jahren 1942 und 1943 in den drei Lagern Sobibór, Bełzec und Treblinka ermordet. Eine maßgebliche Rolle bei der Konzeption, beim Aufbau und Betrieb der Mordstätten spielte das Personal der im August 1941 eingestellten “Aktion T4”. Auch zahlreiche Männer, die zuvor in Hartheim an den Morden beteiligt waren, fanden im Rahmen der “Aktion Reinhardt” eine neue Betätigung: So fungierte beispielsweise Franz Stangl, Büroleiter der Tötungsanstalt
Hartheim, als Kommandant von Sobibór und später von Treblinka, Franz Reichleitner, sein Stellvertreter in Hartheim, folgte ihm als Kommandant von Sobibór nach. Am 14. Oktober 1943 organisierten die Häftlinge einen Aufstand, mehrere hundert konnten flüchten. Nach der Ermordung der Verbliebenen wurde der Vernichtungsbetrieb eingestellt und das Lager dem Erdboden gleichgemacht. Zur Tarnung errichtete man einen Bauernhof und forstete das Gelände auf. Bis zu 250.000 Menschen hatten in Sobibór den Tod gefunden, nur 50 erlebten das Kriegsende. Im Gegensatz zu Auschwitz hinterließ die “Aktion Reinhardt” keine Baracken, keine Berge von Brillen, Schuhen oder Menschenhaar, keine sichtbaren Überreste von Vernichtungseinrichtungen. Neben den Berichten der wenigen Überlebenden sind daher die Ergebnisse der archäologischen Untersuchungen auf dem Lagergelände aus den Jahren 2000 bis 2015 von besonderer Bedeutung. Zehntausende Artefakte, darunter auch Habseligkeiten der Ermordeten, konnten gefunden bzw. geborgen werden. Die Ausstellung, die in Hartheim erstmalig im deutschen Sprachraum zu sehen sein wird, will die Erkenntnisse und die Funde der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Die Ausstellung wird am 28. November 2016 um 19:00 im Saal des Schlosses Hartheim unter Anwesenheit des Botschafters der Niederlande Marco Hennis und des Botschafters der Republik Polen Artur Lorkowski eröffnet. Der Vorsitzende des Vorstands der Stiftung “Polnisch-Deutsche Aussöhnung” Dariusz Pawłos, der Kurator der Ausstellung Marek Bem und der Vertreter der niederländischen Provinz Gelderland Doede Sijtsma werden ebenfalls an der Eröffnung teilnehmen.

Die Sonderausstellung ist von 29. November 2016 bis 31. März 2017 im Saal des Schlosses Hartheim (2. OG) zu den regulären Öffnungszeiten des Lern- und Gedenkorts zu sehen (Mo & Fr 9:00-15:00, Di-Do 9:00-16:00, So & Feiertage 10:00-17:00).